Einordnung: Was bedeutet RISE with SAP in der Praxis?
Mit RISE with SAP bietet SAP ein Bündel aus Software, Infrastruktur und Services, das Unternehmen den Weg in die Cloud erleichtern soll.
In der Praxis zeigt sich jedoch schnell: RISE ist weniger ein „Produkt“, sondern vielmehr ein Betriebs- und Vertragsmodell, das technische, organisatorische und fachliche Veränderungen mit sich bringt.
Die zentrale Frage ist daher nicht nur, wie die Migration gelingt, sondern vor allem: Wie verändert sich der Betrieb danach?
Cloud-Strategie: Weg vom klassischen ERP
Viele RISE-Projekte sind eingebettet in eine übergeordnete Cloud-Strategie.
Typische Zielbilder:
- Weg vom monolithischen ERP
- Aufbau modularer, integrierter Services
- stärkere Nutzung von Plattformen wie SAP BTP
- schnellere Anpassung an neue Anforderungen
Im Kern geht es um eine Architektur, die Veränderungen besser unterstützt und Innovationen schneller ermöglicht.
Daten und KI als Grundlage moderner Architekturen
Parallel zur technischen Transformation gewinnt auch die Datenstrategie an Bedeutung. Im Zusammenspiel von ERP, BTP und Datenplattformen entstehen neue Möglichkeiten:
- Nutzung von Daten für bessere Entscheidungen
- Einsatz von KI und Automatisierung
- Integration von Tools für Analytics und Process Mining
Wichtig dabei: Die Datenstrategie sollte sich immer an der Unternehmensstrategie orientieren – nicht umgekehrt.
Veränderungen in IT und Organisation
Mit der Einführung von RISE verändern sich nicht nur Systeme, sondern auch Rollen und Verantwortlichkeiten.
Typische Entwicklungen:
- stärkere Zusammenarbeit zwischen Business und IT
- Produktteams statt klassischer Silos
- mehr Verantwortung in den Fachbereichen
- zunehmende Bedeutung von Architektur und Integration
Gleichzeitig entstehen neue Rollen, zum Beispiel:
- BTP Administrator:in
- Cloud Service Manager
- IT Architect / Integrationsverantwortliche
- Compliance und Security Verantwortliche
Gerade im Mittelstand werden diese Aufgaben häufig nicht vollständig neu besetzt, sondern von bestehenden Rollen mit übernommen.
Das Vertragsmodell verstehen: FUE und Leistungsumfang
Ein zentraler Bestandteil von RISE ist das Vertragsmodell.
Full Usage Equivalents (FUE)
Das klassische Named-User-Modell wird durch sogenannte Full Usage Equivalents ersetzt.
Wichtig zu wissen:
- Abrechnung basiert auf Berechtigungen, nicht Nutzung
- falsche Rollenzuordnung kann Kosten erhöhen
- unterschiedliche User-Typen werden umgerechnet
Beispiele:
- 1 Advanced User = 1,0 FUE
- 5 Core User = 1,0 FUE
- 30 Self-Service User = 1,0 FUE
Hier lohnt sich eine genaue Analyse der Rollen- und Berechtigungskonzepte.
Während sich die SAP-Landschaft technisch immer weiterentwickelt, etwa durch RISE with SAP, die Business Technology Platform oder KI-basierte Erweiterungen, bleibt die Transparenz über Lizenztypen und -verbräuche oft auf der Strecke. Das Ergebnis: Überlizenzierung, Unterlizenzierung und ein wachsendes Risiko, in die nächste Kostenfalle zu tappen. Wir zeigen, wie Sie unnötige Kosten vermeiden.
Was ist im RISE-Vertrag enthalten?
RISE basiert auf einem Cloud Service Agreement und bündelt mehrere Komponenten:
- SAP S/4HANA Cloud (Public oder Private Edition)
- Infrastruktur über SAP oder Hyperscaler
- Basisbetrieb und technischer Support
- optionale Zusatzleistungen wie BTP oder weitere Services
Wichtig ist die klare Abgrenzung, denn nicht alle Aufgaben liegen automatisch bei SAP.
Herausforderungen aus der Praxis
In Projekten zeigen sich immer wieder ähnliche Herausforderungen:
- hoher Abstimmungsaufwand zwischen den Beteiligten
- unklare Verantwortlichkeiten im Betrieb
- ticketbasierter Support als Engpass
- hohe Migrationskosten ohne Prozessanpassung
- zusätzlicher Bedarf an Know-how
Ein häufiger Irrtum ist, dass das „All-in-One“-Versprechen nicht die Notwendigkeit ersetzt, intern Kompetenz aufzubauen.
Erfolgsfaktoren für RISE-Projekte
Aus unserer Projekterfahrung lassen sich einige zentrale Erfolgsfaktoren ableiten:
Klare Zielarchitektur definieren
Nicht nur die Migration planen, sondern das Zielbild verstehen
Prozesse vor der Migration prüfen
Ein reines „Lift & Shift“ führt selten zum gewünschten Mehrwert
Verantwortlichkeiten und Steuerung klar regeln
Da SAP viele Leistungen standardisiert erbringt, ist die ergänzende Unterstützung entscheidend
Was Unternehmen konkret mitnehmen sollten
- Fokus nicht nur auf die Migration, sondern auf den späteren Betrieb
- Vertragsinhalte und Leistungsumfang genau prüfen
- FUE-Modell und Berechtigungen frühzeitig analysieren
- Cloud-Transformation als unternehmensweite Entscheidung verstehen
- Change Management aktiv einplanen
Fazit
RISE with SAP bietet einen strukturierten Weg in die Cloud und ermöglicht den Zugang zu modernen Technologien und standardisierten Betriebsmodellen. Gleichzeitig erfordert das Modell ein gutes Verständnis der eigenen Prozesse, klare Verantwortlichkeiten und ausreichend Know-how im Unternehmen. RISE ist damit kein Selbstläufer, sondern ein Werkzeug, das bei richtiger Nutzung echten Mehrwert schaffen kann.
Unterstützung auf dem Weg in die Cloud
Die Einführung von RISE with SAP bringt sowohl technische als auch organisatorische Veränderungen mit sich. Eine strukturierte Vorbereitung und klare Zielbilder sind dabei entscheidend.
Wir begleiten Unternehmen bei der Planung, Migration und dem Betrieb ihrer SAP-Landschaften und unterstützen dabei, individuelle Anforderungen mit den Möglichkeiten von RISE sinnvoll zu verbinden.